INDIEN
24.12.2013 - 26.02.2014
EPISODE 5
RAJASTAN
Reiseverlauf
Von Patan aus begab ich mich in die Provinz Rajastan. Den ersten Übernachtungshalt machte ich in Ranakpur. In recht bergiger Landschaft stand dort einer der berühmtesten Jain-Tempel. Der Tempel ist komplett in Marmor und strahlt weiss in der Sonne. Um den Tempel besuchen zu dürfen, sind die strengen Regeln zu befolgen. Es dürfen absolut keine Ledersachen mit, also liess ich Gurt, Portemonnaie und Schuhe im Auto. So verbrachte ich den gesamten Nachmittag im Tempel. Hier kommen einige westliche Touristen vorbei und so war es kein Problem, in der Gegend ein gutes Hotel zu finden.
Am nächsten Tag fuhr ich nach Jodhpur, der blauen Stadt, und quartierte mich für eine Nacht ein. Ich schaute mir das grosse Fort der dort ansässigen Maharajas an. Irgendwie gelang es mir nicht, in der Stadt eine Parkmöglichkeit zu finden. So passierte es, dass ich keinen Rundgang durch die Stadt machte.Nachdem ich mir noch die Totenstadt der Maharajas angeschaut hatte, fuhr ich weiter nach Ajmer. Auch dort blieb ich eine Nacht. Die Ruine der alten Moschee sparte ich mir für den nächsten Morgen auf, denn dann sollte das Fotolicht besser sein. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich an einem See mit Pavillons aus der Mogulzeit. Die Reste der Moschee, die ich dann am nächsten Morgen besichtigte, waren dann ganz nach meinem Geschmack.
Von Ajmer aus fuhr ich nach Chittorgarh. Hoch über dieser Stadt thronten die Reste der alten befestigten Stadt. Diese schaute ich mir an. Ich war sehr froh, diesen Abstecher gemacht zu haben, denn das Fort und die sich darin befindenden Tempel und Paläste waren sehr schön. Chittorgarh war die Überraschung meiner Tour durch Rajastan. Ich blieb dort über Nacht. Von Chittorgarh fuhr ich über die Autobahn nach Jaipur. Das war eine riesige Stadt mit absolutem Verkehrschaos. Schliesslich gelang es mir, ein Hotel zu finden, wo ich mein Auto sicher und gut parkieren konnte. In Jaipur liess ich mich mit einem Tuktuk herumführen. Ich besichtigte die Altstadt mit seinen Palästen und dem Observatorium. Etwas ausserhalb lag die Totenstadt, die mich überraschte. Ein kleiner Spaziergang führte mich über einen Pass in ein Tal, wo der Hanuman-Tempel lag.
Von Jaipur fuhr ich nach Fatehpur Sikri. Vorher machte ich noch einen Umweg zum Fort von Amber. Bis jetzt war ich in Gegenden mit recht wenigen westlichen Touristen. Das änderte sich seit Jaipur drastisch, denn ich war im touristischen Kernland. In Fatehpur Sikri übernachtete ich direkt vor den Toren der berühmten Moschee und der Palaststadt des Mogul-Kaisers Akbar. Beides ging ich mir intensiv anschauen. Sowohl die Moschee, wie auch die Paläste waren sehr beeindruckten und zeugten von der Macht und dem Reichtum der Mogul-Kaiser.
Jetzt wäre es naheliegend gewesen, direkt nach Agra zu fahren. Ich entschied mich sehr spontan, vorher noch einen Abstecher nach Gwalior und Khajuraho zu machen. Von Fatehpur Sikri hatte ich also eine lange Fahrt bis nach Khajuraho. Die Strassen waren nicht sehr gut und das Wetter verschlechterte sich. Zeitweise regnete es. Gegen Abend kam ich dann in Khajuraho an. Auch dieser Ort ist beliebt bei westlichen Touristen und so hatte ich ein gutes Angebot von Hotels. Dort angekommen stellte ich fest, dass ich einen Platten hatte. Nebenan war praktischerweise eine Werkstatt und ich liess mir dort das Rad wechseln. Ich organisierte mir ein Fahrrad und so war ich mobil, um mir am nächsten Tag die Tempelbauten anzuschauen. Diese waren berühmt wegen der erotischen Reliefs an deren Aussenseite. Ich genoss den Tag in der Ruinenstadt.
Am nächsten Morgen machte ich mich auf und trat die Rückreise an. Diese machte ich in mehreren Etappen. Zuerst fuhr ich nach Orchha. Etwa auf halber Strecke sah ich zwei Paläste, die ich anfuhr. Die Wärter liessen mich ein und ich durfte mich dort frei bewegen. Später fand ich heraus, dass ich in Dhubela war. Am Mittag war ich in Orchha. In Orchha gab es viele interessante Tempel und Paläste eines Rajputen Clans. Sowohl in den Tempeln, als auch in den Palästen gab es viele erhaltene Malereien.
Von Orchha aus fuhr ich nach Gwalior. Zwischendurch regnete es. In Gwalior angekommen, hatte es im ersten Hotel keinen Platz für mich. Unweit davon fand ich aber eine Bleibe für die Nacht. Am nächsten Tag begrüsste mich ein strahlend blauer Himmel. Die Schlechtwetterphase war vorbei. Ähnlich wie in Chittorgarh thronte auch hier über der Stadt ein Fort mit einem Palast und einigen Tempeln. Unten in der Stadt befand sich ein sehr sehenswertes islamisches Grabmal.

Ranakpur
Jain-Temple
Die Rajputen
Rajastan ist das Land der Rajputen, das Land der Fürsten und der Krieger. Es war und ist eine stolze Region entlang der Seidenstrasse. Rajastan war kein geeintes Land. Etwa zwanzig Fürstentümer gerieten immer wieder in gewalttätige Auseinandersetzungen aneinander. Dabei kämpfen die Fürstentümer nicht nur untereinander. Auch Feinde von aussen bedrohten ihre Sicherheit. Da waren erst die Sultane und dann die Moguln aus Delhi, das Königreich Gujarat, die Maharaten aus Zentralindien und schliesslich die Briten.
Ein immer wieder aufflammender Kriegszustand verlangte den Bau starker Verteidigungsanlagen, die meist hoch oben auf Hügelkuppen und Felsen errichtet wurden. Die Burgpaläste dienten den Fürsten als luxuriöse Residenz und waren zugleich wehrhafte Zeichen ihrer Macht. Mit einer starken militärischen Präsenz ausgestattet, galten sie als uneinnehmbar.
Die Paläste waren Statussymbole ihrer Herrscher. Detailreich verzierte Privatgemächer und Audienzhallen gehören ebenso dazu wie Schatzkammern, Pavillons und Gärten mit eleganten Springbrunnen. Im Schutz gewaltiger Mauern führten die Maharadschas mit ihren Haupt- und Nebenfrauen ein dekadentes Leben. Die Rajputen entwickelten eine höfische Kultur, für die sie selbst von ihren Feinden hoch angesehen wurden.
Streitigkeiten zwischen den Fürstentümern wuchsen zu immer grösseren Auseinandersetzungen heran. Familienfehden verschwendeten viel Blut und liessen eine kriegerische Tradition entstehen, die den Rajputen bis heute anhängt. Mit Gewalt und Geschick agierten sie auch gegen Feinde von aussen. Die Rajputen militärisch zu besiegen, erschien selbst für die Moguln und später für die Briten unmöglich. Stattdessen entstehen Bündnisse, die den Fürstentümern bis zur Unabhängigkeit Indiens relative Selbstständigkeit garantierten.
Doch Rajastans Glanz verblasste. Die Eröffnung des Suezkanals bedeutete das Ende für die Wüstenkarawanen. Der Fernhandel erfolgte nun auf dem Seeweg. Auch die Unabhängigkeit und die damit verbundene Grenzziehung zwischen Indien und Pakistan mitten durch die Wüste Thar leitete eine weitere Epoche des Niedergangs ein.
Die Fürstentümer sind heute bedeutungslos; der entmachtete Adel praktisch tot. Im neu geschaffenen Staat Indien gehört Rajasthan zu den ärmsten und konservativsten Regionen des Landes.



























































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































